Archiv der Kategorie 'Geschichte'

Franz von Assisi – Gehorsam als Herrschaftskritik?

Die Vogelpredigt

Franz von Assisi – Gehorsam als Herrschaftskritik?

„Die Brüder sollen keine Machtpositionen und kein Herrscheramt besitzen, vor allem nicht untereinander“ heißt es in einer Ordensregel der Franziskaner-Bruderschaft. Der Frage in welchem Zusammenhang diese Bestimmung mit dem Ideal des radikalen Gehorsams steht, widmet sich die folgende Betrachtung. (mehr…)

490 Jahre ohne Thomas Müntzer

Sieh zu, die Grundsuppe des Wuchers, der Dieberei und Räuberei sein unser Herrn und Fürsten, nehmen alle Kreaturen zum Eigentum: die Fisch im Wasser, die Vögel in der Luft, das Gewächs auf Erden muß alles ihr sein (Jes. 5). Darüber lassen sie dann Gottes Gebot ausgehen unter die Armen und sprechen: »Gott hat geboten: Du sollst nicht stehlen.« Es dient aber ihnen nicht. So sie nun alle Menschen verursachen, den armen Ackermann, Handwerkmann und alles, das da lebt, schinden und schaben (Micha 3. Kap.). So er sich dann vergreift am allergeringesten, so muß er hängen. Da saget denn der Doktor Lügner [Luther]: Amen. Die Herren machen das selber, daß ihnen der arme Mann feind wird. Die Ursache des Aufruhrs wollen sie nicht wegtun. Wie kann es die Länge gut werden? So ich das sage, muß ich aufrührisch sein! Wohlhin! (Thomas Müntzer, Hochverursachte Schutzrede, 1524)

Heute sind auf dem Tag 490 Jahre vergangen, seit der Verfasser der oben stehenden Zeilen vor den Toren Mühlhausens enthauptet wurde. Zuvor war der Bauernhaufen vor Frankenhausen von den vereinten Fürstenheeren besiegt worden. Die Wiederherstellung der Obrigkeit vollzog sich in einem unfassbaren Blutvergießen, in dessen Zuge schließlich auch Müntzer gefasst wurde. Im Schloss Heldrungen wurde er gefangen und gefoltert, in der Gewalt jenes Grafen, dem er noch wenige Tage vor der Schlacht von Frankenhausen aus dem Heerlager der Bauern geschrieben hatte: „Kurzum, du bist durch Gottes kräftige Gewalt der Verderbung überantwortet. Wirst du dich nicht demütigen für den Kleinen, so wird dir ein ewige Schande für der ganzen Christenheit auf den Hals fallen und wirst des Teufels Marterer werden. Daß du auch wissest, daß wir’s gestrackten Befehl haben, sage ich: Der ewige lebendige Gott hat’s geheißen, dich von dem Stuhl mit Gewalt, uns gegeben zu stoßen“. Doch die Herren blieben auf dem Stuhl, der bis heute -und erst recht in Deutschland- niemals wirklich umgestoßen wurde. Stattdessen fiel Müntzers Kopf. In der Tragik des einen gescheiterten Revolutionärs finden sich Spuren aller anderen zu allen Zeiten wieder. „Auch die Toten werden vor dem Feind, wenn er siegt, nicht sicher sein. Und dieser Feind hat zu siegen nicht aufgehört.“ (Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte, 6. These)

So wie es im Wesen der Daten und Jahreszahlen liegt, werden wir heute in 10 Jahren wohl ein weitaus mehr beachtetes Müntzergedenken erleben. Wie werden wir dann leben? Und wie wird unser Bild dieses Menschen dann ausfallen? Im Folgenden soll versucht werden, einige Punkte zu erahnen. (mehr…)

Christliche Endzeiterwartung als Herrschaftskritik?


Die sechste Posaune aus Albrecht Dürers Apokalypse von 1498. Rechts unten werden der Papst und weitere Herrscher erschlagen.

Christliches Denken befindet sich immer in einem Spannungsverhältnis von Weltüberwindung und Weltgestaltung. Ihm ist bewusst, dass irdische Dinge endlich sind: Reiche zerfallen, Menschen sterben, Leiber verwesen. Wie auch das Judentum, geht es aber über diese banale wie erschreckende Erkenntnis hinaus und denkt wesentlich heilsgeschichtlich. Gott hat einen Plan mit der Welt, den er durch geschichtliches Handeln vollzieht. Und wichtige Etappen dieser heilsgeschichtlichen Entwicklung sind für Christen bereits vollzogen: Nach Schöpfung, Sündenfall und Erlösung durch Christus gilt es nun, seine Wiederkehr zu erwarten, die zugleich das Ende dieser Welt und die Schaffung eines neuen Himmel und einer neue Erde bedeutet. Heilsgeschichte beschreibt somit, wie Handeln in und an der Welt aus eben dieser Welt herausführt. Wer sich ihr widmet, der hat die Welt und ihre Überwindung im Blick.
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