Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Von Prometeus zum Cyborg

In wenigen Stunden produziertes Feature zur ambivalenten Allegorie des Prometeus‘ mit Pespektiven auf Cyborgidentität.

Prometea als Cyborg

Donnerstag aus LICHT

Ästhetische Schlacht um das himmlische Jerusalem

„Von 1977 bis 2003 komponierte Karlheinz Stockhausen den siebenteiligen Opernzyklus LICHT. Jedem der sieben Tage der Woche ist darin eine Oper gewidmet, und in jeder Oper entwickelt sich das musikalische Spiel kosmischer Kräfte auf eine besondere, die Stel- lung des Menschen in der Welt und die Grundbedingungen seines Lebens charakterisie- rende Weise. Protagonisten des Zyklus sind Michael, Luzifer und Eva. Deren in wechseln- den Konstellationen den Gang der Woche prägendes Zusammenwirken spiegelt die Frage nach Sinn und Unsinn der Existenz des Menschen im Universum. Stockhausen begann seine Arbeit an LICHT mit der Oper DONNERSTAG, und als erstes komponierte er deren II. Akt, MICHAELs REISE UM DIE ERDE. […]

DONNERSTAG aus LICHT (1978–80) ist der Tag des Engels Michael, der sich als Trompeter inkarniert, um durch seine Musik die Menschen zu höherem Bewusstsein zu führen. (mehr…)

Zum Verhältnis von Theologie und Marxismus bei Helmut Gollwitzer

Helmut Gollwitzer

Durch Gnade zu Sinn und Praxis – Zum Verhältnis von Theologie und Marxismus bei Helmut Gollwitzer (Charles le Chat 7/15)

Gliederung
I Einleitung
II Leben zwischen Marx und Jesus – Biographie
III Religion und Kritik- zur Kritik an marxistischer Religionskritik
IV Messianisches Erlösungsversprechen als marxistische Hybris
V Schuld und Tod als existentielle Unveränderbarkeiten
i) Der kontroverse Tod
ii) Marxistische Anthropologie – Ein Widerspruch in sich?
iii) Was ist Schuld? – Ein Versuch
VI Sinn als Gabe und Aufgabe – Zum Verhältnis von Sinn, Leistung und Gnade
i) Verstellter Sinn – Nietzsches Nihilismus
ii) Existenz zwischen Sinn und Nutzen
iii) Sinn-Empfang als Gnade des ganz anderen Gottes
iv) Sinn als Gabe und Aufgabe – Dank als Praxis
v) „Von den Stricken meiner Sünden“
vi) Verheißung als theologisches Sinnangebot (zusammenfassendes Fazit)
VII Praxis – Marxismus und Theologie im Dialog
i) Christliche Praxis im Widerspruch
ii) Marxismus und Theologie im Denken von Gollwitzer (abschließender Befund)

PDF – Zum Verhältnis von Theologie und Marxismus bei Helmut Gollwitzer

I Einleitung

In der Kritik der reinen Vernunft formuliert Kant die drei Grundfragen der Philosophie: Was kann ich erkennen? Was soll ich tun? und Was darf ich hoffen? (3.Bd, S. 447f.) Damit verweist er darauf, dass Erkenntniskritik (Was kann ich erkennen?) nicht losgelöst vom Bereich der Ethik (Was soll ich tun?) und Sinngebung (Was darf ich hoffen?) gedacht werden darf. Zugleich muss Erkenntniskritik sich ihrer Verschiedenheit von diesen aber bewusst auch sein. Für den marxistischen Theologen Helmut Gollwitzer ist die Sinnfrage eine religiöse, ja die Existenz von Religion begründet sich gerade in dem Bedürfnis nach Sinn. Das Besondere an der Frage nach Sinn sei nämlich, dass ihre existenzielle Dimension weder von den positivistischen Wissenschaften noch vom Marxismus überhaupt eingeholt werden könne, da sie deren Axiome notwendigerweise transzendiere. Dies wiederum bedeutet keineswegs, dass deren Erkenntnisfähigkeit irrelevant oder unbedeutend sei, es geht Gollwitzer vielmehr darum, darauf hinzuweisen, dass Sinngebung gar nicht in den „Kompetenzbereich“ von Wissenschaft fällt, da sie auf existentielle Momente des menschlichen Lebens wie bspw. Liebe, Schuld, Krankheit und Tod und damit zusammenhängend dem Bedürfnis nach Sinngebung nicht adäquat, d.h. sinn-stiftend antworten kann. Eben diese „Kompetenzüberschreitung“ kritisiert der Theologe Helmut Gollwitzer auch am messianischen Erlösungsversprechen des traditionellen Marxismus. Dieser könne seinem Anspruch, mit dem Übergang zum organisierten Kommunismus die „letzten“ Fragen und Probleme zu lösen, a priori nicht gerecht werden, da er qua seines Atheismus, auf die Problematik der Endlichkeit bzw. des Todes auf der Ebene von Sinn gar nicht anders als nihilistisch reagieren kann. Überdies macht Gollwitzer angesichts der historischen Erfahrung mit dem Realsozialismus darauf aufmerksam, zu welch radikaler Gleichgültigkeit gegen das Leben des/r Einzelnen das Fehlen von Ethik und Sinngebung in einer Gesellschaftskonzeption führen kann, deren einziges Sinn-Angebot in der Glorifizierung der „Arbeit fürs Kollektiv“ besteht: Sie verlängert das ent-individualisierte Leistungsprinzip, von dem sie vorgibt den Menschen befreien zu wollen. Die Frage, inwiefern die aufklärerische Absicht den Menschen zum „höchsten Wesen“ zu erklären bereits theoretische Schwachstellen birgt, ist für Gollwitzer dabei von Bedeutung. Nichtsdestotrotz schätzt Gollwitzer die materialistische Gesellschaftskritik in Theorie und Praxis als unverzichtbar für die nötige Herstellung einer irdischen Annäherung an das „Reich Gottes.“ Jedoch muss diese sich dabei ihrer „Illusionen“ entledigen, um angesichts des Unveränderbaren im Weltverhältnis die Arbeit am Änderbaren um so mehr intensivieren zu können. Spricht Gollwitzer vom „Marxismus“, so bezieht er sich dabei primär auf den von der frühen Sozialdemokratie um Engels, Kautsky, Bebel und Lenin u.a. vertretenen traditionellen Marxismus und dessen sowjetnahen Nachfolger_innen, deren Marxismus-Rezeptionen – jenseits von kritischer Theorie und Neuer Marx-Lektüre in den 60ern – weltweit prägenden Einfluss hatten. In diesem Sinne folge ich Gollwitzer im Rahmen dieser Arbeit, um etwaige Missverständnisse zu vermeiden. Dennoch lässt sich ein Teil der geübten Kritik auch auf die kritischen Marx Aneignungen (z.B. Kurz, Heinrich, Backhaus u.a.) übertragen.
In seinem Buch „Die Marxistische Religionskritik und der christliche Glaube“ (1961) gibt er einen ersten Einblick in das Verhältnis von Theologie und Marxismus innerhalb seines Denkens, dessen tiefergehendes Verständnis Inhalt dieser Arbeit sein soll.
Zuallererst soll die Verknüpfung der beiden Pole auf biographischer Ebene nachgezeichnet werden. Daran anschließend soll das Themenfeld Religion und Kritik ausgelotet werden, in dem Gollwitzers Argumentation zur marxistischen Religionskritik aufgegriffen wird, die schließlich in einer (Selbst-)Kritik des Marxismus mündet. Indem daraufhin versucht wird, Inhalt und Qualität der von Gollwitzer postulierten existentiellen Unveränderbarkeiten am Beispiel der Schuld und des Todes nachzuspüren, wird zugleich die Kritik Gollwitzers an marxistischem Erlösungsversprechen vertieft und die Aussicht auf Gollwitzers Konzept von Sinn als „Gabe und Aufgabe“ eröffnet. Dabei wird vor allem auf Gollwitzers Ausführungen in seinem Werk „Krummes Holz – aufrechter Gang. Zur Frage nach dem Sinn des Lebens“ (1971) zurückgegriffen werden. Um das Verständnis dieses theologischen Ansatzes besser nachvollziehen zu können, werden die Argumentation Gollwitzers zum Verhältnis von Sinn, Leistung und Gnade ausführlich dargestellt und Form und Konsequenzen des theologischen „Sinnangebots“ besprochen. Abschließend wird versucht, eine Einschätzung zum Verhältnis von Theologie und Marxismus bei Helmut Gollwitzer an Hand der Frage von gesellschaftspolitischer Praxis zu geben.

Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion – Wladimir I. Lenin

Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion Wladimir I. Lenin, Mai 1909. (in: W.I. Lenin, Über die Religion: eine Auswahl, Berlin 1981, S. 53-66.)

- Ausgewählte Zitate -

„Die ganze Weltanschauung der Sozialdemokratie ist auf dem wissenschaftlichen Sozialismus, d.h. dem Marxismus aufgebaut. “

„ Die Religion ist das Opium des Volkes – dieser Ausspruch von Marx bildet den Eckpfeiler der ganzen Weltanschauung des Marxismus in der Frage der Religion. Der Marxismus betrachtet alle heutigen Religionen und Kirchen, alle religiösen Organisationen stets als Organe der bürgerlichen Reaktion, die die Ausbeutung verteidigen und die Arbeiterklasse verdummen und umnebeln sollen. “

(mehr…)

Wagen wir das Spiel…

„Bekanntlich soll es einen Automaten gegeben haben, der so konstruiert gewesen sei, daß er jeden Zug eines Schachspielers mit einem Gegenzuge erwidert habe, der ihm den Gewinn der Partie sicherte. Eine Puppe in türkischer Tracht, eine Wasserpfeife im Munde, saß vor dem Brett, das auf einem geräumigen Tisch aufruhte. Durch ein System von Spiegeln wurde die Illusion erweckt, dieser Tisch sei von allen Seiten durchsichtig. In Wahrheit saß ein buckliger Zwerg darin, der ein Meister im Schachspiel war und die Hand der Puppe an Schnüren lenkte. Zu dieser Apparatur kann man sich ein Gegenstück in der Philosophie vorstellen. Gewinnen soll immer die Puppe, die man ´historischen Materialismus´ nennt. Sie kann es ohne weiteres mit jedem aufnehmen, wenn sie die Theologie in ihren Dienst nimmt, die heute bekanntlich klein und häßlich ist und sich ohnehin nicht darf blicken lassen.“ (Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte, 1. These)