Archiv für Juni 2015

Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion – Wladimir I. Lenin

Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion Wladimir I. Lenin, Mai 1909. (in: W.I. Lenin, Über die Religion: eine Auswahl, Berlin 1981, S. 53-66.)

- Ausgewählte Zitate -

„Die ganze Weltanschauung der Sozialdemokratie ist auf dem wissenschaftlichen Sozialismus, d.h. dem Marxismus aufgebaut. “

„ Die Religion ist das Opium des Volkes – dieser Ausspruch von Marx bildet den Eckpfeiler der ganzen Weltanschauung des Marxismus in der Frage der Religion. Der Marxismus betrachtet alle heutigen Religionen und Kirchen, alle religiösen Organisationen stets als Organe der bürgerlichen Reaktion, die die Ausbeutung verteidigen und die Arbeiterklasse verdummen und umnebeln sollen. “

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Franz von Assisi – Gehorsam als Herrschaftskritik?

Die Vogelpredigt

Franz von Assisi – Gehorsam als Herrschaftskritik?

„Die Brüder sollen keine Machtpositionen und kein Herrscheramt besitzen, vor allem nicht untereinander“ heißt es in einer Ordensregel der Franziskaner-Bruderschaft. Der Frage in welchem Zusammenhang diese Bestimmung mit dem Ideal des radikalen Gehorsams steht, widmet sich die folgende Betrachtung. (mehr…)

Methodik

„Du gewinnst Deine Einsichten nicht etwa durch eine strenge Anwendung einer materialistischen Methode, sondern vollständig unabhängig davon […] durch ein Spiel mit den Zweideutigkeiten und Interferenzerscheinungen dieser Methode“ (Sholem, Brief an Benjamin, S.526)

Zum Verhältnis von Theologie und materialistischer Gesellschaftsanalyse bei Walter Benjamin

„Mein Denken verhält sich zur Theologie wie das Löschblatt zur Tinte. Es ist ganz von ihr vollgesogen. Ginge es aber nach dem Löschblatt, so würde nichts was geschrieben ist, übrig bleiben“ (Anmerkungen zu Thesen Über den Begriff der Geschichte, N7 a, 7) schreibt Walter Benjamin in seinen Vorarbeiten zu den Geschichtsthesen. In der ersten der Thesen „Über den Begriff der Geschichte“ charakterisiert er das Verhältnis von Theologie und materialistischer Gesellschaftsanalyse in seinem Denken dann noch deutlicher: „Bekanntlich soll es einen Automaten gegeben haben, der so konstruiert gewesen sei, daß er jeden Zug eines Schachspielers mit einem Gegenzuge erwidert habe, der ihm den Gewinn der Partie sicherte. Eine Puppe in türkischer Tracht, eine Wasser- pfeife im Munde, saß vor dem Brett, das auf einem geräumigen Tisch aufruhte. Durch ein System von Spiegeln wurde die Illusion erweckt, dieser Tisch sei von allen Seiten durchsichtig. In Wahrheit saß ein buckliger Zwerg darin, der ein Meister im Schachspiel war und die Hand der Puppe an Schnüren lenkte. Zu dieser Apparatur kann man sich ein Gegenstück in der Philosophie vorstellen. Gewinnen soll immer die Puppe, die man >historischen Materialismus< nennt. Sie kann es ohne weiteres mit jedem aufnehmen, wenn sie die Theologie in ihren Dienst nimmt, die heute bekanntlich klein und häßlich ist und sich ohnehin nicht darf blicken lassen.“ Die Bezugnahme des an Marx geschulten Philosophen Benjamin auf Theologie mag auf den ersten Blick seltsam anmuten. Hatte Marx doch bereits in einem sehr frühen Text „ die Kritik der Religion für im wesentlichen beendet“ (Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, in: »Deutsch-Französische Jahrbücher«, Paris 1844, S. 378) erklärt und gerade den Verhältnissen, die der Religion bedürften den Kampf angesagt. Zugleich gibt Marx im selben Text am Beispiel der Reformation wage Hinweise auf die Bedeutung mancher Auseinandersetzungen im religiösen Diskurs im Feld des Klassenkampfs, wenngleich er die Theologie verdächtigt für das Scheitern des Bauernkrieg, „der radikalsten Tatsache der deutschen Geschichte“ verantwortlich zu sein. Neben der vulgärmarxistischen Fixierung der Notwendigkeit innerhalb geschichtlicher Entwicklung, deren fortschrittsgläubige Teleologie an Gewissheit den christlich-chiliastischen Heilversprechen durchaus das Wasser reichen kann, sind auch für profundere Marx-Kenner_innen die Momente von Hoffnung und säkularisiertem Erlösungsversprechen konstitutive Bestandteile ihres Weltverhältnisses, auch wenn sich letztere dasselbe oft kaum so offen eingestehen wollen wie Ernst Bloch es Zeit seines Lebens vertreten hat. (mehr…)

Über die Apokalyptik von IS und Täuferreich Münster

In der aktuellen Jungle World findet sich ein lesenswerter Artikel von Jörn Schulz über die apokalyptischen Züge „des“ Islamischen Staats. Schulz zeigt, dass zu dessen Ideologie die Vorstellung gehört, in die heilsgeschichtliche Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse einzugreifen, eine Vorstellung, die auch heute in Islam und Christentum präsent ist. Dieser Glaube an eine göttliche Mission während der letzten Tage der Schöpfung, könne als ein Grund für die expansive Dynamik und das enorme Gewaltpotential der Dschihadisten-Truppe verstanden werden.

Es ist verdienstvoll, dass Schulz nach einigen Vorarbeiten dieses Thema nochmal in dieser Ausführlichkeit aufgreift. In ökonomischer Hinsicht hat etwa Tomasz Konicz gute Analysen „des“ IS vorgelegt. Er beschreibt ihn als kapitalistisches Krisenphänomen, als globale Plünderungsökonomie, die den von regulärer kapitalistischer Verwertung Ausgeschlossenen eben auch eine ökonomische Perspektive bietet. Das sind wichtige Überlegungen, aber ein gutes Monatseinkommen erklärt noch nicht, wieso jemand sich und andere in die Luft sprengt. An dieser Stelle ist die Argumentation von Schulz treffend, denn er zeigt auf, dass Apokalyptik historisch schon immer ein großes Maß an Überzeugungskraft, Gewaltpotential und Opferbereitschaft freisetzen konnte. Dennoch hinkt sein Vergleich zwischen IS und dem Täuferreich von Münster 1534/35 an einigen Stellen. (mehr…)